Neues von der P3000

Seit bereits über drei Jahren ist die grösste Presse der Schweiz im Betrieb. Und dennoch ist der Umgang mit den 3000 Tonnen oder umgerechnet 30 Meganewton Presskraft noch immer keine alltägliche Routine.

Angefangen mit vergleichsweise kleinen Stückgewichten nähert man sich immer mehr der wahren Bestimmung dieser imposanten Schmiedepresse. So können grössere und somit schwerere Teile effizient und gleichmässig warmumgeformt werden, womit das Produktespektrum erheblich ausgeweitet wird. Dabei ist aber nicht nur die Grösse sondern auch der einzusetzende Werkstoff massgeblich entscheidend für den Kraftaufwand. Vergleicht man hierbei die Umformbarkeit eines normalen Baustahls mit der eines hochlegierten rostfreien Stahles oder einer hitzebeständigen Nickelbasislegierung, so benötigt man etwa den doppelten respektive dreifachen Kraftbedarf. Die 3000 t helfen uns also die unterschiedlichsten Metalle auch bei grösseren Dimensionen noch umzuformen.

Normalerweise einfach umformen lassen sich auch Aluminiumlegierungen, wobei man bei höheren Stückgewichten doch schnell an die Grenzen kommt. So konnte nur mit Hilfe der neuen Presse ein Aluminiumrohling mit einem Stückgewicht von 1800 kg (Ø670 mm, Höhe 1900 mm) warmumgeformt werden, was auf Grund des spez. Gewichtes etwa 5 Tonnen Stahl entsprechen würde. In einem reinen Freiformschmiedeprozess wurde dieser Bolzen bestehend aus der Legierung EN AW-6082 zu einer Büchse mit Aussendurchmesser 1500 mm, Wandstäke 145 mm und Höhe 1070 mm umgeformt.

Deutlich fester dagegen sind Nickelbasislegierungen (z.B. Alloy 625), welche insbesondere in der Luftfahrt einen hohen Stellenwert haben und im Bereich der Turbinen eingesetzt werden. Der heutige Trend in der zivilen Luftfahrt liegt dabei bei immer grösser werdenden Triebwerken und somit auch grösseren Einzelteilen. Und hier kommt unsere neue Presse wieder ins Spiel. So war es dank der neuen Presse möglich, einen profilierten Ring mit einem Aussendurchmesser von 1400 mm, einem Innendurchmesser von 805 mm und einer Dicke von 40 mm in mehreren Stufen zu schmieden. Als Vorbereitung dazu wurde der Rohling (Ø350 mm, Höhe 450 mm, Gewicht 371 kg) zu einem Ringrohling umgeschmiedet/gelocht und auf den letztendlichen Aussendurchmesser gewalzt. Als abschliessende Operation musste dieser Ring aber noch in die gewünschte Form gebracht werden. Hierzu kamen - ähnlich dem Gesenkschmieden - ein unteres und ein oberes Werkzeug zum Einsatz, welche mit Hilfe von Umformsimulationen konzipiert wurden. Der gewalzte Ring konnte nun mit der P3000 zwischen die beiden Formhälften gebracht werden. Dieses Formpressen ermöglichte eine deutlich konturnahere Rohlingsgestaltung gegenüber dem Einsatz eines beispielsweise dicker dimensionierten ebenen Ringes. Dadurch konnte nicht nur teures Material eingespart, sondern auch die Stabilität des finalen Ringes durch ein beanspruchungsgerechtes Design erhöht werden.

Mit Hilfe der neuen Presse erschliessen sich also nicht nur neue Möglichkeiten in Bezug auf grössere Bauteildimensionen, sondern auch anspruchsvollere Materialien, welche für hochbeanspruchte Bauteile eingesetzt werden. Die Erfolgsgeschichte mit immer neueren metallischen Werkstoffen geht also auch dank der neuen Presse weiter.